Serious Game: Peacemaker

Peacemaker, Impact Games, 2007, ist zwar schon etwas älter, aber immer noch eines der “besten” Serious Games, und soll daher die Beispiele von Serious Games anführen. Peacemaker ist insbesondere deswegen interessant, weil die Spielmotivation und Lernerfahrung Hand in Hand gehen und das Spiel nicht künstlich über Mini-Games in den Lerninhalt implementiert werden muss.

Inhalt:

Peacemaker spielt, wie auch Global Conflicts: Palestine, im Nahost-Konflikt. In Peacemaker übernimmt der Spieler die Rolle entweder des israelischen Premierministers oder der palästinensischen Führung. In einem rundenbasierten System muss der Spieler immer wieder entscheiden, ob er auf problematische Herausforderungen mit politischen, militärischen, polizeilichen, geheimdienstlichen oder zivilen Handlungsoptionen antwortet, um jeweils angemessen zu reagieren. Das Ziel des Spiels besteht darin, einen nachhaltigen Friedensprozess in Gang zu setzen, wobei das Spiel eine Zwei-Staaten-Lösung favorisiert. Während des Strategiespiels muss der Spieler bei jeder seiner Handlungen den Einfluss auf die verschiedenen Stakeholder im Konflikt bedenken, so beispielsweise wie die arabischen Staaten, die israelische Presse, die jüdischen Siedler, die EU oder die USA auf die gewählten Handlungen reagieren. Das Spiel ist nur zu gewinnen, indem man die israelische, wie auch die palästinensische Öffentlichkeit und deren relevante Gruppierungen auf die eigene Seite bekommt – wie auch in der Wirklichkeit kein leichtes Unterfangen.

Vergleichbar mit dem Ansatz von PlayTheNew ist Peacemaker ein Serious Game, das exzellent die Problematik von Führung in einem eingefahrenen Konflikt verdeutlicht. Durch das permanent geforderte Role-Taking des Spielers und die Perspektivübernahme der verschiedenen Gruppierungen im Konflikt ergibt sich in kürzester Zeit ein tieferes Verständnis für die komplexen Probleme und deren historische Hintergründe im Nahost-Konflikt. Daß ein Spiel immer nur eine begrenzte Anzahl an Handlungsoptionen vermitteln kann, und somit Komplexität auch immer reduzieren muss, liegt in der Natur der Sache und kann dem Spiel nicht angelastet werden – wichtig ist weniger, die vollständige Aufarbeitung einer Problemlage als die Vermittlung eines gehobenen Einstiegs in die Thematik, um im weiteren Lernfortschritt daran anschliessen zu können, sei es im Selbststudium oder in der Schule.

Insgesamt ist Peacemaker ein Spiel, das man gerne zur Hausaufgabe geben würde. Man kann sich hypothetisch vorstellen, dass die spielerische Vermittlung des Nahostkonflikts bisherige Vermittlungsformen in der langfristigen Auswirkung auf das Verständnis der Lernenden übertrumpfen könnte – was allerdings zu überprüfen wäre! Abgesehen vom Spielansatz ist das Spiel auch technisch, ästhetisch und vom Gameplay her lohnenswert es anzuspielen.

 

RESSOURCEN:

Die Website des Spiels http://www.peacemakergame.com/ incl. spielbarer Demoversion (http://www.peacemakergame.com/demo.php) für Mac und PC. Das Spiel wird als digitaler Download vertrieben und ist für knapp 20$ zu haben.

Umfassendes weiteres Material findet sich auch in der englischsprachigen Wikipedia. (http://en.wikipedia.org/wiki/PeaceMaker_%28video_game%29)

Hervorzuheben ist zuletzt der Versuch eine Peacemaker Educator Community (http://forum.impactgames.com/) aufzubauen, was allerdings bisher scheinbar am fehlenden Community-Building scheitert.

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